
Barrierefreiheit im Online-Shop: was seit dem BFSG gilt
Seit dem 28. Juni 2025 müssen viele Online-Shops barrierefrei sein. Was das Gesetz verlangt, wen es betrifft und warum die meisten Anforderungen ohnehin jedem Kunden helfen.
Artikel lesenEin Online-Shop scheitert selten am Design. Er scheitert an der Kasse: an fehlenden Zahlungsarten, an Versandkosten, die zu spät auftauchen, und an Rückgaben, die niemand eingeplant hat.

Die meisten Gespräche über einen Online-Shop drehen sich um Design, Fotos und Produkttexte. Scheitern tut ein Shop aber selten daran. Er scheitert an der Kasse: an Zahlungsarten, die die eigenen Kunden gar nicht nutzen, an Versandkosten, die erst im letzten Schritt auftauchen, und an Rückgaben, für die niemand einen Ablauf vorgesehen hat. Diese Punkte lassen sich vor dem Start festlegen, mit vergleichsweise wenig Aufwand, und ersparen später viel Improvisation im Alltagsgeschäft.
Ein Shop braucht nicht jede verfügbare Zahlungsart, sondern die, die seine Kunden bereits gewohnt sind. Ein Shop für Privatkunden im deutschsprachigen Raum kommt kaum an Kreditkarte, PayPal und einem Lastschriftverfahren vorbei. Ein Shop mit internationalen Kunden oder mit Zielgruppen, die selten ein Bankkonto im klassischen Sinn haben, braucht andere Wege, etwa mobile Bezahldienste. Jede Zahlungsart hat eine eigene Kostenstruktur, meist eine feste Gebühr pro Transaktion plus einen Prozentsatz vom Umsatz. Diese Kosten gehören in die Kalkulation, bevor eine Zahlungsart eingebunden wird, nicht danach.
Wer erst auf der letzten Seite vor dem Kauf erfährt, was der Versand kostet, bricht den Kauf häufig ab oder kauft mit einem schlechten Gefühl. Der Warenkorb sollte die Versandkosten zeigen, sobald eine Lieferadresse oder wenigstens ein Land feststeht, nicht erst nach der Eingabe aller Zahlungsdaten. Der Grundgedanke ist einfach: Der Kunde soll wissen, was er am Ende zahlt, bevor er Zeit in das Ausfüllen eines Formulars investiert.
Versandregeln sollten sich in einem Satz erklären lassen: ein Preis innerhalb Deutschlands, ein zweiter für die EU, kostenlos ab einem festen Betrag. Jede zusätzliche Ausnahme, jede weitere Staffel nach Gewicht oder Region, ist eine Regel mehr, die im Kopf des Kunden und im eigenen Kassensystem gepflegt werden muss. Ein Shop mit drei Ausnahmen bei den Versandkosten braucht früher oder später jemanden, der sich nur noch um Versandkosten kümmert.
In der EU haben Verbraucher bei einem Online-Kauf ein gesetzliches Widerrufsrecht von 14 Tagen, unabhängig davon, was der Shop dazu schreibt. Was der Shop selbst regeln kann, ist der Ablauf danach: wer die Rücksendung annimmt, wer sie prüft, wie schnell die Erstattung erfolgt. Ein Shop, der diesen Ablauf vorher festlegt, verliert bei einer Rückgabe keine Zeit mit Improvisation. Wer die Rücksendekosten trägt, sollte ebenfalls vor dem ersten Verkauf feststehen und nicht erst bei der ersten tatsächlichen Rückgabe verhandelt werden.
Seit dem 28. Juni 2025 gilt zudem das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für viele Online-Shops. Es betrifft nicht nur die Optik, sondern auch den Bestellvorgang selbst: ob sich der Warenkorb per Tastatur bedienen lässt, ob Fehlermeldungen in Formularen verständlich sind, ob Kontraste ausreichen. Das gehört in die Planung eines Shops, nicht in eine Nachbesserung.
Eine Bestellung ist technisch in Sekunden abgeschlossen. Operativ fängt sie dort erst an: jemand muss die Ware packen, jemand muss eine Rückfrage beantworten, jemand muss bei einem Problem Bescheid geben. Bei einem Ein-Personen-Betrieb heißt das meist dieselbe Person für alle drei Aufgaben, und das ist in Ordnung, solange ein realistischer Zeitrahmen dazu kommuniziert wird: Bestellungen bis 14 Uhr gehen am selben Tag raus, Antworten kommen innerhalb eines Werktags. Ein Shop, der Versand „in der Regel innerhalb von 24 Stunden“ verspricht, ohne dass sich das im Alltag halten lässt, verliert das Vertrauen schneller als einer, der ehrlich zwei bis drei Tage nennt.
Ab einem gewissen Sortiment und einer gewissen Bestellmenge kippt außerdem die Rechnung zwischen eigenem Shop und einem Marktplatz. Ein eigener Shop lohnt sich, sobald die Marktplatzgebühren pro Verkauf höher liegen als das, was ein eigenes System an laufenden Kosten verursacht, und sobald der Kontakt zum Kunden und die eigenen Daten etwas wert sind. Bei sehr wenigen, unregelmäßigen Verkäufen ist ein Marktplatz oft die günstigere Wahl, weil er ohne eigene Infrastruktur auskommt. Wächst das Geschäft, dreht sich dieses Verhältnis meist um, weil die Marktplatzgebühr mit jedem Verkauf erneut anfällt, während die Kosten eines eigenen Shops weitgehend gleich bleiben.
Veröffentlicht am 12. August 2026
Claude Simo, Digitalssolutions, Gummersbach
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